Erweiterung Neue Nationalgalerie
Die Erweiterung der Neuen Nationalgalerie in Berlin schafft eine harmonische Verbindung zum bestehenden Skulpturengarten und bildet ein zusammenhängendes architektonisches Ensemble. Die nördliche Treppe wurde dezent verschmälert, sodass ein nahtloser, ebenerdiger Übergang zwischen Alt- und Neubau möglich ist, ohne sichtbare Unterbrechungen. Besucher können entweder direkt in den neuen Galerieraum eintreten oder über die neu interpretierte „Stadtloggia“, einen Übergangsraum, der die Grenze zwischen Innen- und Außenraum aufweicht. Der Neubau ist als respektvolle Ergänzung von Ludwig Mies van der Rohes Originalkomposition konzipiert und steht zugleich als eigenständiger „Tempel“ für Kunst des 20. Jahrhunderts. Mit seiner schlanken Höhe stärkt er das Kulturforum als bedeutendes kulturelles Zentrum Europas, setzt ein vertikales Zeichen, bleibt dabei aber im Hintergrund. Auf drei Ebenen mit insgesamt rund 7.000 m² werden zeitgenössische Kunstwerke in einem offenen, frei fließenden Layout präsentiert, das zur intuitiven Erkundung einlädt. Die zentrale Treppe dient nicht nur als vertikaler Verbindungselement, sondern auch als Lichtschacht, der sich durch das gesamte Gebäude erstreckt und zusätzlichen Ausstellungsraum bietet. Das Sockelgeschoss, das an die alte Galerie anschließt, beherbergt Ausstellungsflächen, einen Museumsshop und Lagerräume. Einzigartige „Showrooms“ ermöglichen den Besuchern, Kunst im Handling zu erleben, und bieten so eine interaktive Erfahrung über statische Präsentationen hinaus. Der Haupteingang über die Stadtloggia öffnet sich zu einem großzügigen Foyer mit Empfang, Garderobe und Bildungsbereichen. Büros und Verwaltungsräume befinden sich im rückwärtigen Bereich. Die drei oberen Geschosse sind für Dauer-, Sonder- und Wechselausstellungen vorgesehen, wobei das oberste Stockwerk einen großen Saal für Veranstaltungen, Medienkunst und zusätzliche Galerieräume bietet. Dieser oberste Bereich wird durch Oberlichter natürlich belichtet, während die anderen Etagen auf künstliche Beleuchtung angewiesen sind. Die neue Galerie verfügt über tragende Außenwände aus Stahlbeton, mit vorgespannten Betondecken, die 14,4 Meter zwischen den Stützen überspannen. Die Struktur wird zusätzlich durch diagonale Treppen- und Aufzugskerne stabilisiert. Die Fassade ist durch ein Säulengitter gegliedert und an der Eingangsebene durch Öffnungen in Schwarz verkleidet, die eine visuelle Basis für das Gebäude bilden. Horizontale Betonbänder gliedern die einzelnen Geschosse nach außen. Innen entsteht durch den Kontrast von dunklem Sichtbeton und hellen, weißen Ausstellungswänden in Kombination mit Stahl-Glas-Elementen eine markante, zugleich neutrale Umgebung. Die nahtlosen, polierten Estrichböden unterstreichen die minimalistische Ästhetik und richten den Fokus auf die Kunst. Dieses sorgfältige Gleichgewicht von Material und Form ergänzt die Originalarchitektur und schafft zugleich einen modernen, funktionalen Raum für zeitgenössische Kunst.