Experimentierräume nachhaltiger Stadtentwicklung, Wiesbaden-Klarenthal
Das städtebauliche Konzept orientiert sich an der bestehenden Ernst-May-Siedlung mit ihrer charakteristischen Nord-Süd-Reihenstruktur. Der neue Entwurf setzt auf eine behutsame Erweiterung des Bestands entlang eines Wabenmusters. Wichtige Elemente wie der „Hain“, der „Hügel“ und die natürliche Landschaft bleiben weitgehend erhalten. Zwei neue Baukörper fügen sich in die Topografie ein, wahren die Ost-West-Belüftungsachsen und schaffen sowohl lebendige als auch ruhige Räume. Ein zentraler Platz verbindet die bestehenden mit den neuen Gebäuden; das Quartier öffnet sich über ein offenes Portal zur Ernst-von-Harnack-Straße. Die neuen fünf- bis sechsgeschossigen Gebäude bieten einen flexiblen Wohnungsmix mit Erschließung über Laubengänge und Nischen für Loggien auf beiden Seiten, sodass Sitzbereiche wahlweise zu belebten oder ruhigen Bereichen orientiert sind. Nutzbare Dachflächen stehen den Bewohnern zur Verfügung, nicht begehbare Bereiche werden begrünt und mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Geplant sind 97 geförderte Wohnungen, 86 frei finanzierte Einheiten sowie 10 Kurzzeitunterkünfte. Das Freiraumkonzept umfasst drei zentrale Typologien: die „östliche Wildnis“ mit naturnahem Charakter, den lebendigen zentralen Bereich und den begrünten Hang im Westen. Eine barrierefreie Ost-West-Verbindung erschließt das Quartier und schafft programmierbare Freiräume, die für Spiel, Erholung und soziale Interaktion genutzt werden können. Die ökologische Zone wird durch minimal-invasive Wegeführungen und die Nutzung von Regenwasser zur Anlage eines saisonal feuchten Biotops gestärkt. Parkflächen sollen sukzessive zu Quartiersgaragen weiterentwickelt werden, wodurch der ruhende Verkehr reduziert und die ökologische Aufwertung durch Begrünung unterstützt wird. Mobilitätshubs in den Untergeschossen bieten moderne, klimafreundliche Lösungen. Der Bestand wird teilweise rückgebaut, Materialien werden recycelt, und in den Obergeschossen entstehen 36 Clusterwohnungen. Ergänzend sind eine Kindertagesstätte sowie eine multifunktionale Markthalle für die Bewohnerschaft vorgesehen. Der Entwurf vereint kompakte Bauweise, ressourcenschonende Infrastruktur und nachhaltiges Regenwassermanagement zu einem lebendigen und integrativen „Stadtdorf“.